"The Sun will never Rise Again - Band 1":
Neue und alte Suchbegriffe sind soeben eingetroffen.
http://www.maggus-desire.de/index.php/naviblog/blogsearch/281-suchbegriffe-von-september-und-oktober
Kapitel 1: Ein normaler Tag?
„Die Anschläge dauern nun schon mehrere Wochen an. Bisher ist nicht abzusehen, wann sie aufhören oder ob dies je geschieht. Es wurden noch nicht einmal Forderungen gestellt. Das einzige was mit Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass sie unsere Infrastruktur schwächen sollen. Die Ziele waren bisher immer Brücken, Rathäuser, Schulen und Bibliotheken. Jedoch scheint es so, als ginge es nicht darum Menschen zu töten oder zu opfern, sondern mehr um den Schaden, da die Anschläge immer dann stattfanden, wenn gerade wenig oder gar nichts los war. Bis heute. Die Vorgehensweise hat sich dramatisch geändert. Eine Bombe in einem Kindergarten in Berlin kostete 43 Menschen das Leben. Darunter waren 33 Kinder. Außerdem noch 7 Erzieherinnen und Erzieher und drei Mütter. Den Rettungskräften bot sich ein Bild des Grauens. Wir schalten nun live vor Ort um mit einem der Feuerwehrmänner zu reden…“
Gespannt und schockiert lauschte René Dahnke den Nachrichten im Fernsehen während er frühstückte. „Schrecklich“, sagte er plötzlich. „Wer greift uns da an? Ist es ein anderes Land, sind es Terroristen?“ „Ich weiß es nicht“, antwortete seine Frau Dana besorgt. „Aber ist es nicht noch schrecklicher, dass wir dem Ganzen schutzlos ausgeliefert sind? Es könnte uns jederzeit auch treffen.“ „Beschrei es nicht…“ „Aber ich darf doch Angst um dich haben, oder etwa nicht? Immerhin bist du doch auch Lehrer.“ „Das ist schon wahr, aber wir leben hier ja fast auf dem Land. Südhessen ist bestimmt kein gefährdeter Bereich. Hoffe ich zumindest…“, fügte er noch hinzu. In dem Moment kam seine 5 jährige Tochter Cathrin herein. „Papa, Papa“, sagte sie fröhlich durch das Esszimmer hüpfend. „Heute besuchen wir dich in der Schule. Und Mama hat gesagt, wenn ich brav bin, darf ich dir sogar zusehen.“ „Hat sie das?“, fragte René in einem leicht ironischen Ton. „Na, wenn Mama das sagt, wird das sicher stimmen.“ Er blickte lächelnd zu seiner Frau und setzte seine Tochter auf seinen Schoß.
In diesem Augenblick sah man auf dem Fernsehschirm nur noch Rauch und in Panik davonlaufende Menschen. Doch ihre Flucht sollte keinen Erfolg haben, da das Redaktionsgebäude in sich zusammenbrach. Die Kamera, die das Ganze aufgezeichnet hatte, hörte nun auch auf zu senden. Man sah nur noch ein Grießeln und vernahm ein Rauschen. Völlig entsetzt schaltete Dana den Fernseher aus und beruhigte zusammen mit ihrem Mann die weinende Cathrin. Mehr durch Zufall denn gewollt sah René auf die Uhr, welche auf dem Fensterbrett stand und bemerkte, dass er sich beeilen musste um noch rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Er verabschiedete sich von seiner Familie und hakte nach, ob sie immer noch später vorbeischauen wollten. Beide nickten und er verließ das Zimmer. Cathrin, die sich inzwischen wieder beruhigt hatte, sprang zum Fenster um ihrem Vater noch einmal zuwinken zu können. Dies tat sie auch, als dieser in seinen Hyundai Accent stieg und zurückwinkte, während er auf die Straße fuhr.
Auf dem Weg zur Schule ging er noch einmal seine Ideen für die heutigen Stunden durch. Dabei fiel ihm ein, dass er vergessen hatte, die Arbeitsblätter für seinen Mathematik-Leistungskurs zu kopieren. „Nicht weiter tragisch“, murmelte er leise. „Wofür gibt es denn den Schulkopierer. Hoffentlich bin ich vor den anderen an dem Gerät. Ansonsten könnte es lange dauern.“ Nach zirka 20 Minuten war er angekommen und stellte sein Auto auf dem Lehrerparkplatz ab. Er war noch nicht ganz ausgestiegen, da fing ihn schon einer seiner Schüler aus seinem Informatik Kurs ab. „Herr Dahnke, was sollten wir denn noch mal für die Arbeit nächste Woche lernen?“ „Ihr solltet alles über HTML und PHP wissen, aber auch einige Dinge über Datenbanken werden dran kommen.“ „Ok, danke.“ „Kein Thema. Könntest du es aber den anderen nochmals sagen? Ich glaube nämlich nicht, dass jeder die E-Mail erhalten hat, denn zumindest du scheinst sie ja nicht gelesen zu haben.“ Dies sagte er wie so häufig zwar mit einem ernsten Ton, doch jeder wusste, dass er nur spaßte. „Nö“, grinste der Schüler, „da müsste ich ja den PC mal aus sinnvollen Gründen anschalten.“ Beide lachten und betraten das Schulgebäude. Der Junge ging Richtung Atrium um noch ein wenig mit seinen Kumpels zu quatschen, bevor sie in den Unterricht gingen und René lief in das Lehrerzimmer um die benötigten Kopien anzufertigen. Doch als er dort ankam, wurde er von einem seiner Kollegen regelrecht überfallen. „Hey Leute, den heutigen Tag sollten wir uns merken. Unser lieber Kollege René Dahnke ist zum ersten Mal in seinem Lehrerdasein nicht schon eine halbe Stunde früher als notwendig da!“ „Ich vermerke also in meinem Kalender unter dem Datum 25. April 2020 folgendes Ereignis: René erscheint zu normalen Uhrzeiten in der Schule.“ Daraufhin platzte halb lachend aus René heraus: „Bernd, Frieda, ihr habt echt einen Schlag. Aber was anderes. Habt ihr mitbekommen, dass zum Schutze der Schüler an jeder Schule in Zukunft ein Team der Polizei mit Bombenentschärfungserfahrung abkommandiert werden soll?“ „Ich wollte es ihnen eben mitteilen“, hörten die drei plötzlich hinter ihnen. „Ach, schau an, der neue Rektor. Wie geht es ihnen?“ „Gut. Und ihnen, Herr Tahlmann?“ „Ebenfalls alles in Butter, auch wenn ich wahrscheinlich erst wieder Ruhe finde, sobald diese Teams wirklich vor Ort sind und uns und die Schüler beschützen.“ „In der Tat, aber es ist bereits halb 8, wir sollten zu unseren Kursen“, bemerkte Frieda Tahlmann. „Man sieht sich nächste Pause.“
Als Herr Dahnke den Saal im ersten Stock betrat, war seine Klasse schon anwesend. Auf die Frage wie sie reingekommen waren, antwortete die Gruppe, eine Referendarin hätte ihnen aufgeschlossen. Dies war nicht weiter ungewöhnlich, da angehende Lehrer oft die Regeln nicht beachteten oder gar komplett ignorierten. René kümmerte es nach 4 Jahren nicht mehr sonderlich, trotz alledem sah er es nicht sonderlich gern. Für die heutige Mathe Stunde hatte er sich vorgenommen, die Schüler Gruppenarbeiten machen zu lassen. Nach anfänglichen Verständigungsproblemen im Bereich der Durchführung und anschließender Präsentation funktionierte es schließlich. Doch plötzlich klingelte ein Handy. René, dessen Handy in letzter Zeit relativ häufig klingelte, dachte sofort, es wäre seins. Doch eine Schülerin hatte ihres schon längst aus der Hosentasche geholt und ging aus dem Raum um ungestört zu reden. Herr Dahnke wollte schon hinterher um es ihr zu verbieten jedoch war er noch nicht richtig an der Tür angekommen, da kam die Schülerin schon wieder mit Tränen in den Augen zurück. Gerade wollte er nachfragen, was denn los sei, hörte er sie schon zu ihrer Nachbarin mit zittriger Stimme sagen: „Sie sind tot. Sie sind beide tot… von einer Autobombe zerfetzt…“ „Oh mein Gott. In den USA jetzt auch? Damit sind es schon fünf Länder!“ Kurzzeitig trat betretende Stille ein. Doch schon recht bald fingen einige an zu weinen, bei anderen brach Panik aus. Für René war klar, dass er in diesem Chaos keinen Unterricht mehr abhalten konnte und beendete die Stunde. Auch für ihn waren diese Zeit und die Nachrichten nicht einfach. Vor allem da er selbst seine Eltern bei einem Anschlag verloren hatte. Sie starben, als sie während des Irakischen Bürgerkrieges im Jahre 2014 als Sicherheitsbeauftragte in der Deutschen Botschaft tätig waren. Das einzige, was ihn, sobald er daran erinnert wurde, vor einem Nervenzusammenbruch bewahrte, war seine Familie.
Herr Dahnke ging mit gesenktem Kopf nach draußen und setzte sich auf die nahegelegene Wiese. Hier verbrachte er häufig seine Zeit, wenn er nachdenken wollte. Aber heute wollte er einfach in der Gesellschaft anderer sein. Es kam sehr häufig vor, dass Schüler sich zu ihm setzten, um sich mit ihm zu unterhalten. Nicht über Schule, sondern Dinge wie Sport oder Computerspiele. Zwar spielte er selbst seit längerem nicht mehr, doch interessiert es ihn noch immer. Aber heute war niemand auf der Wiese. Generell schien die Schule wie ausgestorben, da die meisten Schüler sich nicht mehr aus den Klassenräumen trauten. Einige ließen sich sogar von ihren Eltern abholen. Plötzlich hörte er hinter sich eine vertraute Stimme, drehte sich um und blickte in das lachende Gesicht seiner Tochter. Dicht hinter ihr lief Renés Frau Dana. „Hey ihr“, sagte René. „Geht es euch gut? Hier ist gerade die Hölle los. Immer mehr Schüler erfahren von den Behörden, dass ihre Eltern oder Geschwister getötet wurden.“ Geschockt nahm Frau Dahnke das gerade Gesagte auf und erblickte im Hintergrund einige Jugendliche, die teils panisch umher liefen und teils einfach nur fassungslos dasaßen. Im krassen Gegensatz zur allgemeinen Stimmung stand die Landschaft. Aber gerade dieser kolossale Unterschied machte Dana Angst. Daher fragte sie ihren Mann, ob sie reingehen könnten. Darauf antwortete er mit einem leichten Nicken und Seufzen: „Ja, lass uns rein gehen. Die Zeiten sind zwar ungewöhnlich, doch schon bald wird dies alles wie ein ganz normaler Tag wirken!“